Über Schleusen und Kanäle, durch die Brandenburgische Seenplatte ins märkische Rheinsberg...
Die
Längste aller Fahrten mit der Weißen Flotte Müritz führt uns in das märkische Rheinsberg. Einst Residenz der preußischen Könige lockt Rheinsberg
heute als Städtchen der klassischen Musik und kultureller Leuchtturm des Nordens. Das Schlosstheater der Stadt beherbergt die Musikakademie, die
Stadt ist Mittelpunkt von Kammeropernkonzerte und bietet eine beachtliche museale Kurt Tucholsky Sammlung.
Beginnend gehen wir in der südlichsten Müritzkleinstadt an Board und alle Wetterprognosen scheinen nach tagelangem Regen für uns zu sprechen. Mit strahlend blauen Himmel werden wir an Board begrüßt und genießen schon einmal das herbstliche Panorama des Röbeler Hafens bevor wir die Seeenge vor dem Hafen verlassen und auf die große Müritz fahren. Nicht nur wir sondern auch die Müritzfischer und einige Wassersportler sind am frühen Sonntagmorgen im September auf dem Wasser der Müritz unterwegs. Toll anzusehen, wenn sich die großen Segelboote im Wasser der Müritz spiegeln oder die alten Holzboote der Fischer goldgelb von der Sonne angestrahlt glänzen.
Für Interessierte stellen wir nun erst einmal die Fahrtroute vor, die wir auf dem Weg nach Rheinsberg durchfahren werden. Sie führt über viele keine Seen, durch Schleusen und Kanäle:
Röbel (Stadthafen) - Müritz - Kleine Müritz - Straßenbrücke Vietzen - Sumpfsee - Müritz - Havel - Wasserstraße - Straßen- und Eisenbahnbrücke Lärz - Mirower Schleuse und Schleusenbrücke - Mirower Kanal - Eisenbahn- und Hohe Brücke Mirow - Zootzensee - Möschensee - Vitzsee - Straßenbrücke Diemitz - Schleusenbrücke und Schleuse Diemitz - Labussee - Straßenbrücke und Schleuse Canow - Canower See - Kleine Pälitzsee - Pälitzbrücke - Schleusenkanal - Schleusenbrücke und Schleuse Wolfsbruch - Wasserdorf Marina Wolfsbruch - Prebelobrücke - Tietzosee - Jagokanal und -brücke - Schlabornsee - Schlabornkanal und -brücke - Rheinsberger See - Rekekanal - Grienericksee - Rheinsberg
Vorbei
am Naturschutzgebiet Großer Schwerin und dem Höhenzug Steinhorn bei Ludorf fahren wir an den Häfen von Rechlin entlang und erreichen hinter der
Hintersten Wiese die Kleine Müritz. Nach Durchfahren des Sumpfsees beginnt die eigentliche Kanal- und Schleusenfahrt. Als Erstes durchqueren wir
die Müritz-Hafel-Wasserstraße, Verbindungsstraße zwischen dem Müritz- und den Havelgewässern und Erreichen die erste Schleuse in Mirow. Hinter der
Mirower Schleuse erwarten uns nun idyllische Wasserstraßen mit malerischen Bootsschuppen, die heute teils als Ferienhaus fungieren, und einsamen
Seen mit noch unberührten Uferzonen.
Als nächstes Etappenziel steht Diemitz auf dem Plan, welches ebenfalls eine Schleuse besitzt und bekannt ist als Kanustützpunkt für Wasserwanderer. Diemitz ist ebenfalls bekannt für das bewusste Umgehen mit der Natur, was sich auch in den Unterkünften des Urlaubszentrum zeigt.
Der weitere Weg führt über den Labussee zur nächsten Schleuse in Canow. Diese liegt kurz vor dem Canower See, welcher den Schlusspunkt der Mecklenburgischen und Strelitzer Seen bildet. Mit dem Übergang in den Pälitzsee befinden wir uns nunmehr in den Rheinsberger Gewässern und treffen auch hier auf die Fahrgastschiffe aus Rheinsberg. Und nicht nur das, in den Rheinsberger Kanälen erwarten uns noch so einige Überraschungen, denn wir durchfahren so einige Straßenbrücken, die schon zu Zeiten der preußischen Könige standen und für jeden Fahrgastschiffer eine Herausforderung bedeuten. Die Brücken sind so schmal und tief, dass das Schiff gerade mal handbreit durch passt, außer auf dem Oberdeck kann lediglich das Bier auf den Tischen stehen bleiben, alles Andere, nebst Kapitän, müssen abtauchen. Die Fahrgäste nehmen es mit Humor und machen die verrücktesten Verrenkungen.
Die
letzte Schleuse auf unser Fahrt nach Rheinsberg müssen wir in Wolfsbruch passieren. Und wie schon bei den anderen Schleusen stehen auch schon in
der Schleuse Wolfsbruch alle Tore für uns offen. Nach dem wir aus der Schleuse herausfahren passieren wir linkerhand das Urlauber- und
Ferienparadies Marina Wolfsbruch, welches an ein typisch skandinavisches Hafendorf erinnert. Man kann dieses Feriendorf sowohl mit dem Auto aber
auch mit dem Boot erreichen.
Weiter durch kleine Brücken erreichen wir den Ort Zechlinerhütte. Dieser Ort wartet mit einer Besonderheit auf, denn er liegt gleich inmitten von Seen - Schlabornsee (früher Hüttensee), Zootzensee und Tietzowsee. Inmitten der brandenburgischen Seenplatte gelegen war Zechlinerhütte Mittelpunkt der Glasherstellung unter der preußischen Könige. Nicht weit entfernt liegt der Stechlinsee, der schönste und klarste Natursee Deutschlands, dessen Faszination auch Theodor Fontane zu seinem Buch "Der Stechlin" inspirierte.
Der letzte große See auf unserer Hinreise ist der Rheinsberger See, vom Rhin durchflossen ist der See Bestandteil des Naturparks Stechlinsee. In der Mitte des Sees liegt die Remusinsel (im Volksmund Liebesinsel). Einer unserer Mitreisenden an Board schlug sogleich vor dort hinzufahren. Einst slawisch besiedelt befand sich in der jungen Mark Brandenburg eine Burg auf der Insel. Am See liegen ein weiteres Hafendorf und Rehabilitationsklinik Hohenelse. Man vermutet zwar, dass sich hier am See auch die märkische Kulturstadt Rheinsberg befindet, aber dem ist nicht so. Rheinsberg selbst liegt am Grienericksee, dem letzten See vor Erreichen unseres Zieles.
Mit der Fahrt auf dem Grienericksee sehen wir schon das Wahrzeichen der Stadt auf uns zukommen - das Schloss von Rheinsberg. Rechts am Ufer, gegenüberliegend vom Schloss steht der Obelisk, welcher zu Ehren preußischer Offiziere, die im Krieg um Schlesien kämpften und dem Monarchen August Wilhelm gewidmet wurde. Zwischen dem Schloss und dem Obelisk befindet sich der Schlosspark, welcher sehenswerte Dinge beinhaltet. So findet man zum Einem die Büste des Prinzen August Wilhelm auf einem kreisförmigen Platz, der seiner Zeit der Lieblingsplatz seines Bruders Heinrich war. Ebenfalls im Park zu finden sind die Egeria- und Feldsteingrotte. Erstere mit Borke ausgekleidet sorgte für die Illusion einer Einsiedelei, die Feldsteingrotte hingegen wurde mit Muscheln an den Wänden verkleidet und an den Decken waren gläserne Tropfsteine. Diese Grotte war in ihrer Illusion einer echten Wassergrotte nachempfunden. Nicht zu vergessen, das Heckentheater, ein Freilichttheater aus Hecken und Bäumen. Dieses dient heute für Freilichtaufführungen der Kammeroper. Weiter sind zu nennen, das Gartenportal mit den säumenden Göttinnen der Blumen und Früchte, der Marstall, die Grabpyramide und das Orangeriepavillon.
Zwischen Hafen und Schloss steht das ehemalige Kavalierhaus, ehemals Unterkunft der Bediensteten, Wohnstätte für repräsentative Gäste und Beamte und schließlich unter Prinz Heinrich als kleines Theater teilweise genutzt, bis seeseitig ein Flügel an das Kavalierhaus angebaut wurde und als neues Schlosstheater fungierte. Unmittelbar vor dem Schloss befindet sich die Rasenparterre mit den Marmorfiguren Apoll und die Frauendarstellungen der griechischen Mythologie für Feuer, Wasser, Erde und Luft. Hinter dem Schloss, im Stadtkern von Rheinsberg steht vor dem Schlosspark das Denkmal des Kronprinzen Friedrich, auf der Schlossstraße/Triangelplatz die Postsäule, an gleicher Ecke der Ratskeller und gleich dahinter die St. Laurentius Kirche. Zwei bedeutende Museen runden das kulturellhistorische Angebot ab, so bietet das Keramikmuseum einen Einblick in die Geschichte der noch heute lebendigen Keramikherstellung und das Literaturmuseum um Kurt Tucholsky, welches sich mit dem Leben und Wirken beschäftigt. Die Fülle der sehenswerten Dinge in Rheinsberg ist für eine so kleine märkische Stadt beeindruckend. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Zeit für den Landgang in Rheinsberg immer zu kurz sein wird. Der Abschied fiel uns jedenfalls sichtlich schwer, aber die Ehrenrunde vor dem Schloss entschädigte uns und linderte den Abschiedsschmerz. Schließlich standen noch ein paar schöne Stunden unserer Heimreise nach Röbel bevor.
Nach der Ehrenrunde vor dem Rheinsberger Schloss geht unsere Fahrt über die Märkische Seenplatte, mit den vielen Kanälen und Schleusen Richtung Mecklenburger Seenplatte. Was noch keiner der Mitreisenden wusste, war dass uns noch ein wunderschöner Sonnenuntergang bevor stand. Hinter der Schleuse in Mirow und dem Müritz Havelkanal bekamen wir schon erste Eindrücke an den sonnenbeleuchteten Ufern. Wieder auf der kleinen Müritz zurück bekamen wir die ersten Eindrücke vom schönen Sonnenuntergang an der Müritz. Dieser begleitete uns den Rest der Fahrt bis zum Hafen von Röbel und in den verschiedensten Variationen.
Wollen auch Sie das Erlebnis dieser Fahrt genießen, so empfehlen wir Ihnen die ersten Septembertage, vorausgesetzt Sie haben ebenfalls das prognostizierte gute Wetter für Ihre Fahrt. Wir wünschen Ihnen ebenfalls so viel Glück für Ihre Fahrt, wie wir es mit dem tollen Wetter für unsere Fahrt hatten.












